Was tun bei einer vorderen Kreuzbandruptur?

Anatomie des Kniegelenkes

Bevor wir euch etwas zur vorderen Kreuzbandruptur erzählen, gibt es noch eine anatomische Auffrischung über das Kniegelenk.

Das Kniegelenk wird aus 3 Knochen gebildet.

  • Femur (Oberschenkel)
  • Tibia (Schienbein)
  • Patella (Kniescheibe)

Sie sind an der Gelenkbildung beteiligt und teilen das Kniegelenk in 2 Untergelenke ein: das Art. femoropatellaris (zwischen Oberschenkel und Kniescheibe) und das Art. femorotibialis (zwischen Oberschenkel und Schienbein). Beide Gelenke sind von einer gemeinsamen Gelenkkapsel umgeben und haben eine gemeinsame Gelenkhöhle. Die Inkongruenz der Gelenkflächen zwischen Oberschenkel und Scheinbein wird durch 2 Menisken ausgeglichen.

Das vordere Kreuzband entspringt an der Innenseite des außeliegenden Gelenkfortsatzes am Oberschenkel und zieht zu einer vorliegenden Knochenfläche am Schienbein. Das Band limitiert die Innenrotation des Unterschenkels, da es sich bei der Bewegung um das hintere Kreuzband „wickelt“.

Was ist ein/e Kreuzbandruptur?

Eine Kreuzbandruptur beschreibt den vollständigen und teilweisen Riss der Bandfasern. Rupturen des vorderen Kreuzbandes nehmen etwa ein Fünftel aller Knieverletzungen ein und betreffen hauptsächlich jüngere Patienten im Alter von zwanzig bis dreißig Jahren. Ein isolierter Riss des Kreuzbandes ist äußerst selten, meist sind weitere Strukturen, wie z.B. die Menisken oder Außenbänder mit beteiligt. Dazu werden wir auch noch mal einen separaten Beitrag hochladen. 

Wie entsteht eine Kreuzbandruptur?

Ein typischer Verletzungsgrund für eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes ist ein akutes Trauma. Dabei ist der Unfallmechanismus meist sehr ähnlich. Das Knie ist leicht gebeugt, in der Innenrotation und X-Bein-Stellung eingestellt, der Fuß ist fixiert und das gesamte Bein wird mit maximalen Gewicht belastet. Dieses Trauma tritt besonders häufig bei Kontaktsportarten mit Sprungbelastung und häufigen Richtungswechseln auf (Fußball, Volleyball, Skifahren etc.). Präventiv sollte somit eine gute Beinachse und Rumpfmuskulatur unter hoher Belastung trainiert werden, um in ungewollten Situationen das Kniegelenk optimal stabilisieren zu können.

Eine weitere Ursache ist der Riss eines im Kniegelenk eingelagerten Meniskus oder der Außenbänder, bei dem eine Kreuzbandruptur als Begleitverletzung auftreten kann. Diese Kombinationen werden als „Unhappy Triad“ beschrieben. In seltenen Fällen kann auch eine Überlastung des Kniegelenkes durch z.B. ein zu hohes Gewicht zu einem Riss führen. 

Wie sehen die Symptome aus?

Dadurch, dass die Kreuzbandruptur meist durch ein akutes Trauma ausgelöst wird, entstehen die Symptome unmittelbar nach dem Trauma. Auch ein Reißen kann in dem Moment der Verletzung hörbar und spürbar sein. Durch den Riss des Kreuzbandes innerhalb des Kniegelenkes kommt es zu einem Gelenkerguss mit Flüssigkeitsansammlungen im Kniegelenksspalt, oberhalb und unterhalb der Kniescheibe, einhergehend mit starken Schmerzen und einer Gehunfähigkeit.

Weitere Symptome sind:

  • Giving-Way-Phänomen: Instabilitätsgefühl bei geringer Belastung 
  • Verschiebegefühl zwischen Oberschenkel und Schienbein

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

  • Manuelle Therapie
    • Optimierung der Gelenkmechanik während der Bewegung 
    • Kontrolle der gesamten Körperstatik (Becken, Hüftgelenk, Fußgelenke)
    • Segmentale Therapie über die Wirbelsäulensegmente L3/4
    • Erhalt der Beweglichkeit im Femuropatellargelenk
    • Erhalt der Streckfähigkeit im Kniegelenk
    • Mobilisation des Kniegelenkes auf 0°/0°/90°
  • Krankengymnastik
    • Wiedergewinnen eines korrekten Gangmusters/eines adäquaten Abrollverhaltens
    • Weichteiltechniken der umliegenden Muskulatur 
    • Verbesserung der Beinachse/Reduktion der X-Bein-Stellung (Valgusstellung) 
    • In Frühphase: Aktivierung der Muskulatur über isometrische Übungen
    • Verhinderung der einseitigen Belastung
    • Anleiten des korrekten Laufens mit Unterarmgehstützen mit Entlastung, Teilbelastung und Vollbelastung
  • Krankengymnastik am Gerät
    • Kräftigung der Ischiocruralen Muskulatur 
    • Stabilisation der physiologischen Becken-Bein-Achse
    • Stabilisationstraining, Kräftigung der Rumpfmuskulatur  
    • Propriozeptives Training 
    • Wiederherstellung koordinativer Fähigkeiten 
    • Frühbelastung über das Fahrradergometer 
    • Alltags-/Berufsspezifisches Training
  • Elektrotherapie
    • Stoffwechselaktivierung
    • Schmerzlinderung über Gate-Control-System
  • Manuelle Lymphdrainage
    • Reduktion der postoperativen Schwellung
    • Lösen von Flüssigkeit aus Kapselausstülpungen 

Aktuelle Studien: Inhalt aus Physio meets Science

  • Reifung- und Einheilungsprozesse des Transplantats sind von einer Belastung abhängig, insofern wird ein bestimmtes Maß an Belastung benötigt um den Heilungsprozess zu fördern 
  • Wichtigstes Ziel in der Rehabilitation ist die Stabilisation des Kniegelenkes 
  • Wiederverletzungsrisiko bei VKB-Rupturen liegt bei 3-22%
  • Besonders postoperative Kraftdefizite stellen nach VKB-Rekonstruktion ein großes Problem da 

Übungen/ Selbsthilfe

  • Kältetherapie mittels Kühlpack: kurzzeitiges Kühlen von 15 Sekunden, Gefäße gehen in eine Engstellung, bei Herunternehmen wechseln diese in den geöffneten Zustand, es kommt zu einer Durchblutungssteigerung und somit zu einer Anreicherung des Gewebes mit frischen Nährstoffen
  • Eigenübungsprogramm nach Knie-OP’s: Erhältlich bei uns in der Praxis 
  • Arnika-Salbe 
  • Hochlagerung des Beines: dient dem Flüssigkeitsrückfluss 
  • Aktivierung der Waden-/Fußmuskulatur: fördert den venösen Rückfluss 

Benötigt ihr eine Reha nach einer Kreuzband-OP? Dann seit ihr bei uns genau richtig ! Meldet euch für einen Termin unter der Nummer 0221/252723 oder vereinbart einen Termin über unser Kontaktformular.

Die Beweglichmacher – Physiotherapie in Köln