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Morbus Scheuermann

Inhaltsverzeichnis

Diagnose Morbus Scheuermann

Morbus Scheuermann, in Deutschland auch als Scheuermann Krankheit bekannt, ist eine Wachstumsstörung der jugendlichen Wirbelsäule. In der Regel liegt ein verstärkter Rundrücken vor, der kompensatorisch zu einem Hohlkreuz führt. Die Probleme, die eine auf diese Art deformierte Wirbelsäule mit sich bringt, lassen sich mithilfe von Physiotherapie zwar nicht heilen, aber gut in den Griff bekommen. Wird die Therapie frühzeitig begonnen, können Patienten ein schmerfreies und selbstständiges Leben führen.

Was ist Morbus Scheuermann?

Morbus Scheuermann ist eine bei Kindern und Jugendlichen relativ häufig auftretende, deformierende Rückenerkrankung. Es handelt sich um eine Wachstumsstörung, die dazu führt, dass Teile der Wirbelsäule während des Wachstumsschubs eines Kindes unterschiedlich schnell wachsen. Dies führt zu einer krankhaften Krümmung der Wirbelsäule. Die Deformierung ist von Fall zu Fall unterschiedlich stark ausgeprägt, kann jedoch zu einem Buckel, Schmerzen und eingeschränkter Bewegungsfähigkeit führen.

Wie entsteht Morbus Scheuermann?

Der dänische Radiologe und Orthopäde Holger Werfel Scheuermann beschrieb das Krankheitsbild vor rund 100 Jahren als erster und gab der Krankheit somit ihren Namen. Um zu verstehen, wie Morbus Scheuermann entsteht, ist ein Blick auf den Aufbau der Wirbelsäule notwendig.

Stark vereinfacht kann man sich die Wirbelsäule als übereinandergestapelte Würfel vorstellen, zwischen denen elastische Puffer liegen. Die Würfel stehen in diesem Bild für die Wirbelkörper und die Puffer für die Bandscheiben. Dieser Würfel-Stapel ist nicht gerade, sondern verläuft, von der Seite betrachtet, in einer doppelten S-Form. Erkrankt ein Kind an der Scheuermann Krankheit, wachsen die Würfel ungleichmäßig. Die nach vorne gerichtete Seite der Würfel wächst langsamer als die nach hinten gerichtete Seite. Auf diese Weise wachsen die Wirbelkörper zu einer Keilform heran. Die Rede ist deshalb von Keilwirbeln.

Wenn mehrere solcher Keilwirbel übereinander liegen, krümmt sich die Wirbelsäule. Diese Krümmung tritt bei Morbus Scheuermann meistens im Brust- und selten im Lendenbereich auf. Eine leichte Krümmung der Brustwirbel ist normal, sie wird medizinisch als Kyphose bezeichnet. Bei der Scheuermann Krankheit nimmt sie jedoch oft anormale Ausmaße an, man spricht dann von einer Hyperkyphose.

Warum bei manchen Kindern das Wachstum der Wirbelsäule gestört ist, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Scheuermann selbst ging davon aus, dass das Problem entsteht, weil Knorpel in der Wirbelsäule aufgrund mangelnder Blutversorgung absterben. Er mutmaßte, dass dadurch das Knochenwachstum während der Entwicklung unterbrochen wird, was zu einer Verkeilung der betroffenen Wirbel führt.

Heutzutage gehen manche Wissenschaftler davon aus, dass eine Art Defekt im Wachstumsbereich der Wirbel den Prozess in Gang setzt. Dieser Defekt kann durch eine Wirbelsäulenstörung während der schnellen Wachstumsschübe in der Pubertät verursacht werden. Andere Wirbelsäulenspezialisten glauben, dass ein Problem mit der Mechanik der Wirbelsäule (die Art und Weise, wie sie zusammengesetzt ist und funktioniert) eine Rolle bei Morbus Scheuermann spielt. Wieder andere vermuten, dass eine leichte Osteoporose zu der Deformation beitragen könnte. Muskelanomalien wurden ebenfalls als mögliche Ursache in Betracht gezogen. Und es scheint eine hohe genetische Veranlagung für diese Krankheit zu geben – was bedeutet, dass sie in bestimmten Familien gehäuft auftritt.

Was für Symptome gehen mit Morbus Scheuermann einher?

Die Symptome der Scheuermann Krankheit entwickeln sich in den meisten Fällen im Alter zwischen 10 und 15 Jahren. Den genauen Beginn der Krankheit auszumachen gestaltet sich meistens schwierig, da die Symptome am Anfang nur sehr leicht auftreten. Oft bemerken Eltern als erstes, dass ihr Kind eine schlechte Haltung hat, die vor allem im Sitzen auffällt. Das Kind kann zusätzlich über Schmerzen im mittleren Rückenbereich klagen. Die Schmerzen sind zu diesem Zeitpunkt jedoch selten behindernd oder schwerwiegend, sodass ein Arztbesuch nicht unbedingt notwendig erscheint.

Hinzu kommt, dass Morbus Scheuermann sich normalerweise sehr langsam entwickelt. Meistens wird erst ein Arzt hinzugezogen, wenn die Erkrankung so weit fortgeschritten ist, dass die Rundung im Rücken spürbar wird. Das ist es, was die meisten Eltern dazu bringt, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die Schmerzen nehmen typischerweise mit der Zeit und dem Schweregrad der Deformation zu. Etwa ein Drittel der Menschen mit Morbus Scheuermann haben gleichzeitig auch eine Skoliose. Skoliose ist eine weitere Form der Wirbelsäulendeformation, die meist bei Jugendlichen auftritt. Wenn man ein Röntgenbild von vorne betrachtet, ist die Wirbelsäule bei Skoliose von einer Seite zur anderen gekrümmt.

Menschen mit Hyperkyphose haben in der Regel keine Nervenprobleme durch die Wirbelsäulendeformation. Eine stark gerundete Wirbelsäule kann jedoch die inneren Organe im Brustkorb und in Bauch zusammenpressen. Dies kann Brustschmerzen, Kurzatmigkeit und chronische Appetitlosigkeit verursachen.

Diagnosestellung

Ein kompetenter (Kinder-)Arzt wird Morbus Scheuermann mithilfe eines ausführlichen Anamnesegesprächs und einer anschließenden körperlichen Untersuchung diagnostizieren können. Seitliche Röntgenaufnahmen bestätigen die Diagnose.

Ein MRT ist normalerweise nicht notwendig, kann aber hilfreich sein, um weitere anatomische Veränderungen zu beurteilen. Auch bei der Planung einer Operation hilft ein MRT. Es gibt keine spezifischen Labortests oder histologischen Befunde, die für die Diagnose der Scheuermann Krankheit notwendig sind.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

In einem ersten Schritt kann der Arzt entzündungshemmende Medikamente gegen die Schmerzen verschreiben. Bei jüngeren Patienten werden diese Medikamente in der Regel kurzfristig und in Kombination mit anderen Behandlungen eingesetzt. Erwachsene, die anhaltende Schmerzen haben, benötigen manchmal eine langfristige Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten.

Vor allem bei jüngeren Patienten verspricht ein Korsett gute Aussichten. Dieses hält die Wirbelsäule so gut es geht gestreckt und arbeitet somit kontinuierlich gegen die Krümmung an. Der behandelnde Arzt passt das Korsett regelmäßig an, sobald sich die Krümmung verbessert hat. Zu Beginn der Therapie wird das Korsett normalerweise ständig getragen und nur zum Duschen ausgezogen. Wenn sich die Thoraxkrümmung ausreichend verbessert hat, wird das Korsett in Teilzeit getragen (8 bis 12 Stunden pro Tag), bis das Skelett vollständig ausgereift ist. Dies ist typischerweise im Alter von 14 oder 15 Jahren der Fall. Die Korsetttherapie hat aber auch Schwächen: So steigt mit zunehmender Tragedauer die Wahrscheinlichkeit, Kreuzschmerzen zu entwickeln.

Das wichtigste Element der in der Behandlung von Morbus Scheuermann ist die Physiotherapie. So maximieren spezielle Übungen die Wirkung des Korsetts, indem sie die Muskeln stärken, die zur Ausrichtung der Wirbelsäule beitragen. Auch ohne Korsett wird Physiotherapie empfohlen, um eventuell vorhandene Schmerzen zu lindern, die richtige Haltung für die Wirbelsäule zu erlernen und muskulären Dysbalancen entgegenzuwirken.

Nur in seltenen Fällen sind die Wirbelkörper so stark deformiert, dass eine Operation notwendig ist. Meist ist dies nur erforderlich, wenn der Krankheitsverlauf negativ ist. Das bedeutet, dass die Krümmung stetig mehr wird und keine der ergriffenen Maßnahmen Wirkung zeigt.

Wie kann die Physiotherapie bei Morbus Scheuermann helfen?

Wie bereits erwähnt, kann Physiotherapie bei Kindern, die an Morbus Scheuermann erkrankt sind, großartige Erfolge erziehen. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto höher sind die Chancen, eine Hyperkyphose zu verhindern. Morbus Scheuermann lässt sich grob in 4 Phasen einteilen. In jeder Phase stehen unterschiedliche Ziele im Vordergrund der Therapie.

Phase 1: Schmerzlinderung
Oftmals leiden die jungen Patienten bereits an Schmerzen, wenn sie das erste Mal zur Therapie kommen. Diese sind nicht eigentlich Teil der Erkrankung, sondern ein Folgesymptom, welches sich aufgrund der Deformation der Wirbelsäule und der daraus resultierenden ungesunden Haltung entwickelt.

Oberstes Ziel in dieser Phase ist Reduktion von Entzündungen und somit Schmerzen. Zusätzlich zu den vom Arzt verschrieben Medikamenten, kann ein Physiotherapeut die Entzündung mithilfe von Kälteanwendungen und Elektrotherapie bekämpfen. Außerdem kann er Übungen zur Entlastung der entzündeten Strukturen zeigen oder diese mithilfe von Kinesiotape entlasten.

Phase 2: Kraftaufbau und Beweglichkeit
Sobald die Schmerzen gelindert sind, steht das Verbessern der Beweglichkeit im Fokus der Therapie. Die Wirbelsäule wird mithilfe bestimmter Übungen und Techniken immer mehr gestreckt und die stabilisierende Rückenmuskulatur aufgebaut. Auch die Bauch- und die Schultermuskulatur wird speziell trainiert.

Phase 3: Wiedereingliederung
Kinder und Jugendliche, die an Morbus Scheuermann leiden, können ab einem gewissen Punkt wieder komplett in den Alltag eingliedert werden und ein selbstbestimmtes Leben führen. Wichtig ist jedoch, dass sie weiterhin von einem kompetenten Physiotherapeuten betreut werden, der Hilfestellungen, Übungen und Tipps für den Alltag geben und bei auftauchenden Problemen helfen kann.

Phase 4: Funktionsstörungen vorbeugen
Um Beschwerden vorzubeugen, ist es wichtig, die Beweglichkeit und Kraft des Rückens aufrechtzuerhalten. Dafür reicht es nicht aus, die Muskeln nur in den Sitzungen mit dem Physiotherapeuten zu trainieren. Dieser kann jedoch einen individuell auf den Patienten angepassten Trainingsplan mit Übungen für zu Hause erstellen.

Mögliche Elemente der Physiotherapie können sein:


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